
Wie in meiner Ankündigung formuliert, geht es mir in dieser Reisephase, während der ich verschiedene Häuser und Länder erkunde, darum herauszufinden, was mir wirklich taugt und was nicht, was mich am Ende glücklich und erfüllt leben lässt.
Ich hatte dies vor allem auf die äußerlichen Lebensumstände bezogen und kann sagen, dass ich bisher einige Details gesammelt habe, die mir für ein wirklich angenehmes Leben wichtig sind:
Körperlicher Komfort: Eine Dusche, die ich nicht jedes Mal ausgiebig putzen muss, eine rundum angenehme Temperatur im Haus – sodass ich weder ständig gegen das Frieren noch gegen ein Zerfließen vor Hitze kämpfen muss – und ein Sofa, um auch tagsüber meinen Rücken entspannen zu können.
Bewegungsfreiheit: Direkter Zugang zur Natur, die Möglichkeit, morgens meine kleine Bewegungsrunde zu absolvieren, ohne zu frieren oder von anderen Verpflichtungen abgehalten zu werden, und die zeitliche und räumliche Freiheit für lange Spaziergänge alleine.
Arbeitsumgebung: Gutes WLAN und ein einwandfrei funktionierender Computer, damit ich sorgenfrei arbeiten kann.
Grundversorgung: Die Möglichkeit, wann immer ich es brauche zu duschen und mir die Haare zu waschen, schmackhaftes und gesundes Essen, ein angenehmes Bett. Als Bonus: schöne bunte Glasfenster im Bad, regulierbare Heizkörper, Duft und ein guter Ort zum Wäschetrocknen.
Da ist schon eine Menge zusammengekommen, wie ich sehe.
Was ich aber viel interessanter finde, sind die Mosaiksteinchen, die ich in der zwischenmenschlichen Ebene zusammengetragen habe.
Station 1: Nestwärme vor dem großen Aufbruch
Mein erster House-Sit bei meinen Freunden in Bayern war wie ein kurzes Verschnaufen in einer vertrauten Umgebung, bevor ich zu meiner ersten langen Autofahrt alleine nach Südfrankreich aufbrach. Wie ein Durchatmen im Nest, ein Gefühl von Daheimsein – und dass meine Freundin mir vor meiner Abreise ihre Adresse als Notkontakt auf einen Zettel schrieb, damit ich ihn in mein Portemonnaie stecke, berührte mich zutiefst.
Station 2: Vertrautheit einer alten Freundschaft
Die zweite Station bei meiner Freundin in Südfrankreich mit der zauberhaften Katzendame Loulou war wie ein Eintauchen in die Welt meiner Schwester – hatten sie doch früher zusammengelebt und sich über Jahrzehnte gekannt. Außerdem hatte diese Freundin mich häufig als Studentin beherbergt, wenn ich nach Stuttgart kam, als meine Schwester in den USA war. So waren mir so viele Dinge in dem Haus vertraut, und die freundliche Sorge wie auch ihre Dankbarkeit, dass ich mich um Loulou kümmerte, erlaubten mir, erste Schritte aus meinem selbstgewählten Schneckenhaus zu machen. Wo ich mich zuvor – neben unfreundlichen Nachbarn im Haus meiner Eltern eingesperrt – kreuzunglücklich gefühlt hatte, machte ich nun lange Spaziergänge am Strand, sobald ich alle Schüler für den Tag „verarztet“ hatte, wagte ich mich ins örtliche Gemeindekino und die Geschäfte und genoss die Gesellschaft der unglaublich zarten und freundlichen Loulou.
Dass nach der viel früheren Rückkehr meiner Freundin und ihrer Kinder mein Körper mit Krankheit reagierte – er wollte die vertraute Umgebung nicht verlassen – war misslich. Doch es ließ alte Wunden aufbrechen, damit der Eiter abfließen konnte. Beim Abschied redete mir meine Freundin ins Gewissen, einen weiteren Versuch zu unternehmen, eine Kur zu beantragen (was leider wieder abgelehnt wurde), doch dies gab mir die „Erlaubnis“, überhaupt in Betracht zu ziehen, dass ich vielleicht noch mehr Heilung brauche.
Der Zwischenstopp in Deutschland legte zutage, wer mir wirklich freundlich gesonnen ist, und es tat gut, zum nächsten House-Sit aufzubrechen.
Station 3: Ankommen in einer elterlichen Gemeinschaft
Dieser Aufenthalt in einer unglaublich freundlichen kleinen Gemeinschaft – wieder im Süden Frankreichs – mit zwei wilden Katzen, die es zu versorgen galt, gab mir so viel elterliche und freundschaftliche Wärme, dass sich mein Nervenkostüm eindeutig weiter beruhigte. Der Aufenthalt war aufgrund meiner Veranlagung, immer alle bestens umsorgen zu wollen, sowie einiger physischer Umstände (Sauberkeit, Komfort und Wärme nicht ganz nach meinem Geschmack), nicht frei von Aufregung, Sorge und Gefühlswallungen, doch die Wertschätzung, die man mir entgegenbrachte, die Offenheit, das Einbezogenwerden in die Gemeinde, war einfach phantastisch. Es fühlte sich an, als sei ein großes Loch in mir gestopft worden. Zum ersten Mal erhaschte ich einen Blick darauf, wie es sein kann, wenn ich wirklich geschätzt werde. Auch die Dankbarkeit für meine Behandlungen, die ich einigen Leuten dort angedeihen ließ, bestärkten mich in meinem Können.
Der Zwischenaufenthalt in Deutschland war wieder spannend und zeigte mir auf, wem wirklich an mir liegt.
Station 4: Auf mich allein gestellt – mit Raum zum Schreiben
Nun bin ich in Großbritannien in der von mir im letzten Blog beschriebenen „Privet-Drive“-Situation. (Für alle, die den vorherigen Post nicht gelesen haben: Ich beschrieb darin, wie sehr meine extrem eingeengte häusliche Situation sich anfühlt wie Harry Potter bei Tante und Onkel.) Diese ist jedoch nicht ohne Nutzen – zum einen habe ich mit der moralischen Unterstützung wunderbarer Freunde, unter anderem der beiden Freundinnen von den ersten beiden House-Sits, einen Modus gefunden, wie ich den Aufenthalt hier aushaltbar mache – und zum anderen habe ich so die Möglichkeit, viel zu schreiben und mein Buch noch einmal durchzuarbeiten.
Anders ausgedrückt: Die Situation zwingt mich, wertfrei zu erkennen, wenn jemand manipulativ ist und unangemessene Forderungen stellt, und mich davon nicht irritieren zu lassen, sondern für mich zu sorgen. Und ich habe den Raum und die Zeit, mich mit den dunkleren Seiten von mir auseinanderzusetzen – mit Hilfe eines Programms, das sich Shadow Work nennt.
PLUS: Ich habe in London erspürt, wie großartig bunt mein Leben sein könnte, wenn ich es wähle.
Zusammengefasst
Bisher habe ich folgende Stationen durchlaufen:
1. Nestwärme vor dem Start in die große weite Welt.
2. Vertrautheit einer alten Freundschaft, die meine Schwester mit einbezieht.
3. Ankommen und Aufgenommenwerden in einer elterlichen Gemeinschaft.
4. Auf-mich-allein-gestellt-sein in einer begrenzenden Situation mit viel Zeit zum Schreiben.
Zum Nachdenken
Welche äußeren Bedingungen brauchst Du, um Dich wirklich wohlzufühlen?
Welche zwischenmenschlichen Erfahrungen haben Dich auf deinem Weg am meisten genährt?
Wo befindest Du Dich gerade auf Deiner eigenen Reise der Selbsterkundung?

























