
Nach einer köstlich langsamen Anreise, die es mir ermöglichte, alle vorab ausgewählten Stationen auf dem Weg zu genießen, ohne in Stress zu geraten, kam ich am ersten Dezember um Punkt 17 Uhr bei meinem ersten offiziellen House-Sit für zwei Schnurrhaarträger an. Meine Gastgeberin Liz legte dies als deutsche Pünktlichkeit aus, lach, doch ehrlicherweise hatte ich einfach nur einen extra großen Zeitpuffer eingeplant.
Der Empfang war herzlich und überwältigend, und genau so verlief auch die Zeit bis zur Abreise von Liz und ihrem Mann Henk drei Tage später – von früh bis spät gab es spannende Einweisungen, viele neue Gesichter und unendlich viele neue Eindrücke.
Liz und ihr Ehemann Henk haben in der malerischen Dordogne ein wunderbares kleines „Dorf im Dorf“ mit fachmännisch ausgestatteten Häusern errichtet – es nennt sich VIN-T-AGE und ist für Leute ab 55 gedacht, die gerne unabhängig leben und doch eine lockere Gemeinschaft genießen möchten. In den geschmackvoll und nach neuestem Stand gestalteten und ausgebauten Häusern leben interessante Menschen aus aller Welt.
Dieser Umstand sowie die vielen Außenskulpturen von Henk im weitläufigen Garten machen diesen Ort ganz besonders, der sich harmonisch in das 1200 Seelen große Montcaret einfügt.
Henk arbeitet ständig fachmännisch an den neu hinzugekommenen Häusern, hält Gartenanlage und Pool in Schuss, und ist mit seinen absolut unglaublichen 75 Jahren so schnell unterwegs, dass ich kaum Schritt halten konnte, als er mich einmal zur Mairie mitnahm. Auch bei der Gartenarbeit, bei der ich mich anbot zu helfen, legte er ein solches Tempo vor, dass ich mir fast alt vorkam. 🙂
Liz ist die meisterhafte Organisatorin, bei der alle Fäden zusammenlaufen und die gefühlt alle im Landkreis kennt. Ohne viel Aufhebens kümmert sie sich tatkräftig um andere Menschen, bringt sie zusammen, führt das gesamte Projekt und schmeißt nebenher noch den Haushalt. Damit nicht genug, geht sie mehrfach in der Woche zum Sport und zum Tanzen – und kümmert sich um immer neue Katzen, die bei ihr Zuflucht suchen.
Nun sind die beiden länger verreist, sodass Ushi und Muphasa sowie Haus und Garten für 5 Wochen jemanden brauchen, der sich kümmert. Dankbarerweise fiel diese Aufgabe – vermittelt über eine Online-Plattform – mir zu!
Anfangs gab es ein wenig Drama, denn Muphasa, der wilde Kater, floh zumeist vor mir und machte sich dann ganz rar, was mir wirklichen Kummer bereitete. Doch Liz erklärte mir, er sei das Gewusel im Haus mit so vielen Leuten auf einmal nicht gewohnt und würde sich entspannen, sobald sie abgereist seien.
Dennoch ließ mich der Zweifel nicht los, er könne vielleicht irgendetwas an mir partout nicht ausstehen. Im Gegensatz dazu war mir die süße kleine schielende Ushi von Anfang an offen und verschmust und kuschelte ihr Köpfchen in meine Armbeuge.
Gott sei Dank bewahrheitete sich Liz’s Vorhersage – sobald ich alleine mit den beiden war, taute auch Muphasa zusehends auf, und inzwischen darf ich auch ihn ausgiebig kraulen, und seine Entspannung, wenn er wie ein Plüschtier auf dem Teppich liegt und mit zuckenden Pfoten träumt, spricht Bände.
Nach einer intensiven Eingewöhnungsphase habe auch ich meinen Rhythmus gefunden. Schon letztes Wochenende war ich so entspannt, dass ich das örtliche Museum besuchte… Ja, es ist kaum zu glauben, doch in unter 5 Minuten Gehzeit findet sich eine gallo-romanische Kirche und Überreste eines Friedhofs, die wiederum auf einer ausladenden römischen Villa mit Thermen und Kaltbecken errichtet worden waren. Heute bietet der Ort eine faszinierende Mischung von Ausgrabungen aus weit auseinanderliegenden Epochen – dies wird definitiv nicht mein letzter Besuch bleiben!
So steckt dieser kleine Ort voller Überraschungen, und ich freue mich schon ungemein auf meinen ersten Ausflug nach Bordeaux, das nur 50 Minuten mit dem Zug entfernt ist!
Bisher bestimmen Garten- und Poolpflege, meine Online-Sessions, ausgedehnte Spaziergänge und erste Kontakte mit den netten Leuten hier meinen Alltag – doch die Krönung ist und bleibt das Füttern und Streicheln der beiden Vierbeiner.
Ich bin gespannt, was die Zeit hier noch bringen wird!

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