
Lange Zeit war nichts von mir zu hören – dabei hatte ich doch alles ganz anders geplant!
Nach meinem letzten Beitrag über die Ausnahmesituation, ohne Internet zu sein, erwischte mich eine Erkältung und anschließend Covid, sodass ich die restliche Zeit in Frankreich abgetrennt von der süßen Loulou buchstäblich zitternd in einer anderen Wohnung verbrachte, jeden Tag auf Besserung hoffend.
Der einzige Lichtblick war meine liebe Freundin, die inzwischen mit den Kindern von ihrer Reise zurückgekehrt war und mir jeden Tag bei ihren Besuchen köstliches Essen und so viel Anteilnahme und menschliche Wärme mitbrachte, dass es mir zumindest moralisch besser ging.
Alle Kraft, die ich irgendwie erübrigen konnte, bündelte ich, um die wichtigsten Schüler und Klienten zu „versorgen“. Ansonsten war es eine Zeit ungemeiner Schwäche, erbärmlichen Frierens (sogar eine Matratze entzog mir gefühlt zu viel Wärme, sodass ich das Sofa vorzog), des Anstrengungsschwitzens, der nicht enden wollenden Kopfschmerzen und des unruhigen Wartens auf Besserung, da ich nie Fieber bekomme, sondern alle Krankheitsverläufe quälend langsam auf Sparflamme vor sich gehen.
Das einzige „Highlight“ war ein Besuch beim Arzt, zu dem mich meine Freundin begleitete, um gegebenenfalls zu dolmetschen. Denn obwohl er so schnell wie ein Wasserfall sprach, verstand ich ihn im Großen und Ganzen! Das war eine angenehme Überraschung.
Und ich brachte auch noch ungewollt eine komische Einlage, als ich seiner Aufforderung „Tirez la langue“ nach körpersprachlicher Rückversicherung bei meiner Freundin buchstäblich folgte, indem ich meine Zunge mit einer Hand festhielt und versuchte, sie „herauszuziehen“… Der Doktor blieb jedoch ganz unbeeindruckt und sprudelte weiter…
Sobald es meine Verfassung zuließ, traf ich mich mit meiner Freundin zu Spaziergängen am Meer, und auch meine liebe Loulou sah ich noch einige Male – sie war laut meiner Freundin auch anders nach unserem Abschied. Ihr Mann meinte später, sie sei wohl nicht mehr ganz zufrieden mit ihnen nach dem „Corinna-Spa“… Ach, Loulou!
Langsam krabbelte ich wieder aus meiner Grube, wenn es auch immer wieder Rückschläge gab. Am Tag meiner Abfahrt sprach mir meine Freundin gut zu, doch noch einmal zu versuchen, eine Kur zu beantragen, was mir einen unglaublichen moralischen Aufschwung gab. So fuhr ich zwar mit kalten Füßen und schwummrigen Kopf los, fühlte mich jedoch dank viel kürzerer Reiseetappen als auf der Hinfahrt und der sich langsam einstellenden Fahrfreude (ein beheizbarer Autositz ist so ein Segen!) mit jedem Tag besser. Entgegen dem von meiner Mutter propagierten Muster, erst loszulegen, wenn man sich 100-prozentig gut fühlt, erschloss ich mir das langsame Vorwärtsgehen auch bei 60 Prozent, Kilometer für Kilometer.
In Deutschland angekommen bestätigte mir mein Hausarzt, dass ich Corona gehabt hatte, und gab mir auch gleich Mittel gegen alle anderen Infektionen, die meinen Körper noch schwächten. Seither hat sich das intensive Frieren und die Neigung zu Erkältungen fortgesetzt, was die Übernachtungen bei meinen Freunden teilweise trübte. Und doch möchte ich diese Begegnungen nicht missen!
Am schönsten und wärmsten war es bei den lieben neuen Besitzern des Hauses meiner Eltern – sowohl physisch als auch emotional. Sie meinten, ich sei gar kein Gast, sondern Teil der Familie, also das Familienmitglied, das noch fehlte. So habe ich es auch empfunden – bei ihnen im schön neu hergerichteten Gästezimmer fühlte ich mich so wohlig und zu Hause im ehemaligen Haus meiner Eltern wie noch nie zuvor!
Beladen mit Köstlichkeiten – auch schon von meiner Freundin zuvor – brach ich wie eine russische Studentin nach einem Besuch bei den Eltern zu meiner nächsten Zwischenstation vor meiner Abreise nach Frankreich auf: Stuttgart!
Auf unerklärliche Weise fühle ich mich in dieser Stadt immer einen Ticken wohler, lebendiger, attraktiver.
Diesmal nutzte ich eine gute und günstige Unterkunft, die mir erlaubte, es mir so warm zu machen, wie es mein Körper eben gerade braucht. (Wer weiß, vielleicht möchte er mir ja signalisieren, dass ich nach anderen Gefilden Ausschau halten sollte? ;-)) Und ich traf in meinem Tempo liebe Freunde und auch ehemalige Kollegen meiner Schwester.
Besonders berührend war es, in der Unibibliothek tatsächlich Bücher von ihr zu finden, die ich an ihrer Signatur im Einschlag oder wenigen handschriftlichen Notizen erkannte. So haben die 1200 Bücher aus ihrem Nachlass in ihrer Heimatuni Eingang in einen würdigen Korpus an Büchern gefunden und stehen nun zahllosen Studenten zur Verfügung – ganz in ihrem Sinne!
Nun steht bald meine Abfahrt zum ersten „offiziellen“ Housesit in der Dordogne bevor – die Route mit vielen historischen Zwischenstopps steht schon; jetzt bleibt mir nur noch, verschiedentliche Körner und Getreide, die es so nicht in Frankreich gibt, sowie Lebkuchen für meine „Gastgeber“ zu besorgen.
Ich bin sehr dankbar für diese Zeit, die mich lehrte und lehrt, noch geduldiger mit mir und meinem Körper zu sein. Bei den zahlreichen amtlichen Begegnungen – Hausratversicherung, Führerscheinmeldestelle, Lagerhaus, Polizei, Glasfaserkabelanbieter, Bank, Finanzamt etc. – , gelang es mir immer mehr, alles Schrittchen für Schrittchen anzugehen und nicht in Panik zu geraten.
Über Jahrzehnte hatte ich immer alle Formalitäten unter extremem Zeitdruck neben nicht enden wollenden Arbeitseinheiten erledigen müssen und war schnell aus der Bahn geworfen, wenn nicht alles sofort „flutschte“. Nun erfahre und lerne ich, dass alles lösbar ist und selbst zunächst schreckeinflößende Behörden wie Finanzamt und Polizei eben auch nur aus Menschen bestehen, mit denen man – welch Überraschung! 😉 – tatsächlich sprechen kann!
Mir wurde auch klar, dass ich mit dieser Reaktion ein Muster meines Papas imitierte, der bei uns zu Hause bis auf wenige Ausnahmen alles schultern musste und diese Rolle als Kriegskind schon früh verinnerlicht hatte. Daraus ergab sich eine Mischung aus der Überforderung, nicht kindgerechte Aufgaben lösen zu müssen, und dem Frust, immer alles alleine machen zu müssen – ein Cocktail, den ich offenbar energetisch übernommen hatte.
Kennst Du auch solche „Knotenpunkte“ oder Stolpersteine, wenn sich bei Dir alles zusammenschnürt, Dein Atem flach wird und Du diese eine Sache so schnell wie möglich hinter Dich bringen möchtest?
Wo der souveräne Erwachsene, der Du normalerweise bist, sich plötzlich verflüchtigt und Du in Verhaltensweisen und Reaktionen verfällst, die eher einem überforderten Kind ähneln?
Wenn Du was auch immer gerade ansteht, ruhig und aus der Sicht des Erwachsenen, der Du heute bist, betrachtest – ist es wirklich so furchteinflößend, oder könnte ein ruhiges Herantreten an diese Sache vielleicht ganz andere Perspektiven eröffnen?
Gerade bin ich selbst überrascht, dass mein ursprünglich als kurze Schilderung meines Zwischenstopps in Deutschland geplanter Beitrag diese Wendung nimmt. 🙂
Doch was wäre, wenn allein diese Erkenntnis aus der krankheitsbedingten Verlangsamung schon eines der Geschenke ist, die ich habe mitnehmen dürfen – abgesehen von der Erkenntnis, dass ich auch weitermachen kann, wenn ich nicht hundertprozentig gesund bin?
Ich fasse mich in Geduld und „tue“ vielleicht langsamer, lasse mich jedoch nicht mehr aufhalten!
In diesem Sinne wünsche ich auch Dir vielleicht noch ein wenig mehr Geduld mit Dir selbst – damit, wie Dein Körper reagiert, beim Aufdecken und Loslassen übernommener Muster, beim Erkunden, wie Du HEUTE auf Dinge reagierst und was Dir wirklich guttun würde.
Als Fragen formuliert:
- Wie viel Geduld kannst Du heute mit Deinem Körper haben?
- Wo wiederholst Du energetische Muster Deiner Eltern (und kannst sie einfach loslassen)?
- Wenn Du keine vorgefertigte Meinung dazu hättest, wie Du wann worauf reagierst –wie geht es Dir JETZT mit ______?
- Was würde Dir JETZT wirklich guttun?
Ich wünsche Dir einen wunder-vollen Tag!

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