Wenn der Körper den Weg weist 2

Empfangen, Licht und Loulou: Die Ankunft im Süden
Der Genuss, am Leben zu sein, Teil I

Wie in meinem letzten Blog angekündigt, brach ich nach dem heilenden Aufenthalt am Schliersee nach Südfrankreich auf.

Dies war nun eine Reise, die an Länge und unbekannten Faktoren alles überstieg, was ich je zuvor gewagt hatte. Die Strecke betrug 1200 Kilometer, führte durch Österreich und die Schweiz nach Frankreich und dann ganz hinunter in den Süden.

Zum Glück war kein Linksverkehr involviert – das hätte den Vogel für mich abgeschossen… 😉

Dank der wunderbaren Vorbereitung meiner Freundin hatte ich die Reise in zwei Abschnitte unterteilt, mit Zwischenstopp bei ihrem Mann, der unter der Woche beruflich in der Schweiz lebt. Er sollte mich mit weiteren Tipps und Tricks für die Fahrt versorgen.

Die Fahrt zu ihm dauerte sechs Stunden – abgesehen von den Pausen – und war nach anfänglicher Aufregung, ob ich die Vignetten rechtzeitig würde kaufen können, insgesamt eine recht glatte Angelegenheit. Meine liebe Freundin am Schliersee hatte mich vor der Abreise mit Informationen und energetischer Unterstützung innerlich gestärkt.

Ich war erstaunt, wie schnell die Schweizer fuhren und passte mich insgesamt dem Flow an, der sich nach meinem Empfinden nicht viel von dem auf deutschen Autobahnen unterschied, nur eben bei geringerer Grundgeschwindigkeit.

Mein Schrecken war riesig, als mir der Mann meiner Freundin erklärte, auch bei einer Geschwindigkeitsübertretung von nur einem km/h würden einem in der Schweiz Strafzettel ins Haus flattern. Warum dann fuhren alle wie die Henker – zumindest nach Georgias Tacho?

So geeicht, schwitzte ich bei der Weiterfahrt Blut und Wasser in meinem Versuch, mich an die Geschwindigkeiten zu halten, was offenbar selbst die Schweizer spürbar aggressiv machte. Der Übertritt nach Frankreich versprach Erleichterung, doch nur zu Beginn. Je mehr ich in den Süden kam, umso greller wurde das Licht für meine auf Herbst umgestellten Augen, und umso spontaner empfand ich die Überholmanöver der LKW. Es war einfach eine fürchterlich lange Fahrt: Nach jeweils drei Stunden brauchte ich eine Pause von einer Stunde und kam nach 11 Stunden völlig fertig mit den Nerven am Ziel an.

Das letzte Stück – eine geschlängelte Sumpflandschaft- und Uferstraße, die berüchtigt ist für waghalsige Raser und gefährliche Überholmanöver – hatte ich vermeiden sollen, doch aufgrund meiner Übermüdung und der Furcht, den letzten Saft auf meinem Handy zu verlieren, war ich doch hineingeraten.

Ein Raser hinter mir fuhr so dicht auf und blendete mich, dass ich in Panik auf einen winzigen Nothalt abfuhr, der eine ganze Asphaltschicht tiefer lag als die Straße und vornehmlich aus den hiesigen Sand- und Felsformationen bestand. Dies hatte ich in der Eile nicht gesehen. Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt hatte – ich weinte und hyperventilierte nur noch unkontrolliert – musste ich aber wieder hoch auf die Straße. Beim Auffahren über eine sehr abschüssige Kante kratzte ich gefühlt den Bauch von Georgia an, und sie war ebenso schwach auf der Brust wie ich, was meinen Panikmodus sofort wieder aktivierte.

Gott sei Dank war ein älteres Ehepaar hinter mir, das betont Abstand hielt und mit Lichtsignalen bewirkte, das mich niemand mehr überholte. So zog ich heulend und hyperventilierend gefühlt 20 Minuten lang eine ganze Kolonne an Wagen hinter mir her, bis ich endlich am Eingang der Siedlung zum Halten kam… dankenswerterweise direkt vor einer Apotheke.

Als ich ausstieg, war mir so schwummrig, dass ich mich mehrmals auf den Asphalt setzen musste. In der Apotheke half mir eine Mitarbeiterin trotz meines gebrochenen Französisch ganz toll, verkaufte mir ein pflanzliches Beruhigungsspray und riet mir, erst einmal das Haus zu Fuß zu suchen und dann mit dem Wagen hinzufahren. Dieser Rat erwies sich als Gold wert.

Wie sich herausstellte, war ich nicht weit von meinem Ziel zum Stehen gekommen und konnte nach dem kleinen Erkundungsgang tatsächlich viel ruhiger die liebe Georgia in der Nähe vom Haus parken.

Innerlich erschüttert trug ich die wichtigsten Dinge aus dem Wagen ins Haus und sprach mit Freunden, die mir sofort halfen, mich zu beruhigen. Dennoch fühlte ich mich doch sehr aufgeschmissen und alleine; der Schrecken saß mir buchstäblich in den Knochen.

Da ertönte ganz in meiner Nähe plötzlich ein deutliches Maunzen: Die karamellfarbene Loulou hatte sich bei den vielen Bast-Accessoires im ansonsten strandfarben eingerichteten Haus bis dahin optisch nicht abgehoben. Dabei hatte sie offenbar schon die ganze Zeit geduldig auf dem Bürostuhl gesessen und geschaut, wer und was denn da so angekommen war.

Aufgeregt, aber freundlich strich sie mir um die Beine, beschnupperte und markierte bald alles mit dem Mundwinkel. Sie ließ sich auch erstaunlich schnell kraulen – vor allem aber wollte sie natürlich ihr abendliches Futter. Dieses fand ich dank der wunderbaren Anleitungen meiner Freundin sehr schnell, und mein angeschlagenes Nervenkostüm beruhigte sich zusehends.

Langsam konnte ich auch den tollen Präsentkorb wahrnehmen, den sie im Namen von Katze und Familie vorbereitet hatte, und ich fand auch mein Schlafgemach.

Als ich endlich wieder aß und trank – nach einem Tag mit bewusst wenig Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, um nicht zu müde zu werden bzw. nicht ständig zur Toilette zu müssen – bemerkte ich, dass ein Großteil der Panik genau deswegen hatte Fuß fassen können.

Zudem hatte ich durch den Blick aufs Navi – der durch die Installation meines Handys im neu erworbenen Handyhalter zum ersten Mal möglich geworden war – mein wirkliches Fahrtempo gesehen – ich lag regemäßig unter der Geschwindigkeit auf meinem Tacho!

Im Nachgang bedeutete dies zweierlei:

All die Leute, die mich in der Vergangenheit betont echauffiert überholt hatten – und dies trotz meiner Bemühungen, eben nicht „Punkt xx“ zu fahren – hatten richtig gelegen: Offenbar war ich ständig viel zu langsam unterwegs gewesen!

Zum anderen ließ sich nun aber auch hoffen, dass mein erster Tag der Ausschweifungen in der Schweiz gar nicht so ausschweifend gewesen war. Möglicherweise war ich gerade richtig gefahren…

Kein Wunder, dass mir alle wie Raser vorgekommen waren!

Dennoch saß der Schrecken noch tief, sodass ich mit dem Autofahren noch einige Tage nach meiner dramatischen Ankunft wartete. Und als ich dann wieder fuhr, stellte ich zu meiner Erleichterung fest, dass es Georgia gut ging. Außerdem waren die Leute insgesamt – bis auf wenige Ausnahmen, die auch bei durchgezogener Linie ohne Einsicht in die vorausliegenden Kurven mit Aufblendlicht überholen, sehr gemächlich unterwegs. Überdies hatte ich nun endlich eine korrekte Geschwindigkeitsanzeige – die mir übrigens auch verriet, dass offenbar auf Landstraßen in Frankreich 80 km/h Höchstgeschwindigkeit gelten… Erkenntnisse über Erkenntnisse. 😉

Nun aber zurück zur wunderbaren Katzendame, die fortan meinen Aufenthalt bestimmte. Ihre Zutraulichkeit war und ist ein so süßes Geschenk, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann.

Ich hatte eine wilde Katze erwartet, die ausschließlich über das vergitterte Küchenfenster ein- und aussteigt, wenn sie will, generell aber ihr Ding macht und höchstens zum Fressen kommt.

Die Loulou, die ich erleben darf, ist zutraulich, anschmiegsam, gesprächig und äußerst genießerisch.

In den ersten Tagen war ich noch sehr vorsichtig und einmal ganz traurig, als ich sie scheinbar durch eine plötzliche Bewegung verschreckt hatte: Nach einer „zutraulichen“ Nacht, in der sie sogar auf meinem Fuß geschlafen hatte, war sie am Morgen nach Futter und Streicheln auf einmal weggestoben und seither nicht mehr gesehen.

Meine Freundin beruhigte mich und erklärte, das sei normal – innerlich dominierte jedoch meine alte automatische Reaktion, ich habe etwas falsch gemacht und unwiederbringlichen Schaden angerichtet.

Als Madame Katze dann am Abend wiederkam, war es, als sei nichts gewesen, und seither bin ich absolut fein mit egal welchen Stimmungen sie an den Tag legt.

Ich meine auch herausbekommen zu haben, dass dieses „Wegstieben“ eine Art Ritual ist, das ihr sogar Spaß macht. Als ich es einmal lachend kommentierte, hielt sie auf der Hälfte der Treppe inne und schaute fragend herunter.

Was sie alles versteht, ist unfasslich – und dann wieder nicht: Sie ist ja ein sehr bewusstes Wesen mit Wünschen und Vorlieben, das jederzeit die Energie um sich herum liest.

Umso dankbarer bin ich ihr, dass sie mir jeden Tag und jede Nacht zum Genuss macht; abgesehen vielleicht vom bisweilen sehr frühen morgendlichen Aufweckmaunzen, damit ich ihr ihr Futter gebe. 🙂

Je länger wir Zeit miteinander verbringen, umso mehr reicht es, Dinge nur an sie hinzudenken, um zu wissen, dass sie weiß, was ich meine.

Und das gilt auch umgekehrt! 🙂

Als ich einmal abends beim Filmegucken – ein wunderbarer Anlass, sie auf dem Schoß zu haben und ausgiebig zu streicheln, bis es ihr zu warm wird – mein angekabeltes IPad näherholte, um etwas umzuschalten, haschte sie sachte nach dem Kabel.

Ich erinnerte mich daran, dass es extra tolle Paketschnüre für sie gab, holte eine her und wedelte damit vor ihrem Gesicht herum. Der Blick, den ich erntete, war so voller Verachtung, als hätte ich ihre Ehre und ihren Verstand gekränkt. Sie hatte sogar ungläubig den Kopf schiefgelegt und verschwand dann wortlos, oder vielmehr maunzlos.

Ist es nicht klasse, wie wieder das Tier mich heranzieht und nicht umgekehrt?

Während sie vorher durchs Küchenfenster musste, um ins Haus und aus dem Haus zu gelangen, weiß sie nun, welche Geräusche sie von außen mit ihren Pfötchen und von innen mit ihren Krallen machen muss, damit ihre ergebene Dienerin Haus- oder Terrassentür öffnet, damit sie entspannt hindurchspazieren kann.

Doch dies ist ein „Dienen“, das Freude macht.

Und… huch, JETZT muss ich sie füttern gehen – das Maunzen ist inzwischen eindeutig zu laut und eindringlich!

Um einen Eindruck von ihrer unendlichen Fähigkeit zu genießen zu vermitteln, füge ich ein paar Bilder hinzu.

Dieses Mal habe ich gar nicht viele Fragen an Dich, höchstens:

  1. Hast Du jemanden (und dazu zähle ich Tiere), der uneingeschränkt genießen kann?
  2. Wenn ja, erlaubst Du Deinem Körper, mitzuschwingen auf diesem Vibe?
  3. Was, wenn es nie ein Zuviel an Schlaf oder Liebkosung geben kann? 😉

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert